Lernleitern an Förderzentren


Kooperationsprojekt der Universität Würzburg, Pädagogik bei Verhaltensstörungen, mit der Regierung von Mittelfranken und ihren Sonderpädagogischen Förderzentren Spardorf, Erlangen, Höchstadt sowie der Schule zur Erziehungshilfe Buckenhof

 

Grundlegende Informationen

Lernleitern sind Bestandteil der MultiGradeMultiLevel-Methodology (MGML), einer Methode, die vom Rishi Valley Institute for Educational Resources (RIVER) seit den 1980er Jahren im Rahmen einer indischen Landschulreform entwickelt und beständig ausgeweitet wird. Die MGML-Methodology und ihre Lernleitern gehen von der natürlichen Heterogenität aller Kinder aus und würdigen die Einmaligkeit ihrer Lernprozesse. Das Anliegen der MGML-Methodology ist es, eine Lernatmosphäre zu schaffen, in der jedes Kind seiner eigenen Lernbewegung folgen kann. Die MGML-Methodology stellt daher die angst- und konkurrenzfreie Bildungsaktivität des Kindes ins Zentrum. In ihr sind verschiedene Lern- und Gestaltungsformen kulturell verwurzelt und zu einem Ganzen verbunden. Die Lern- und Bildungsaktivitäten werden in der MGML-Methodology durch einzelne Lernmaterialien angeregt. Auf den Lernmaterialien werden die Aktivitäten beschrieben. Jedes Material ist zur Systematisierung durch ein Symbol und eine Nummerierung gekennzeichnet. Jedes Lernmaterial gibt zielgerichtete und strukturierte Hinweise zur Bearbeitung, bietet Aufgaben an und ist ein Teil von systematisierten Lernsequenzen, die in einer so genannten Lernleiter in eine zeitliche Reihenfolge gebracht werden. Alle Aktivitäten bilden mit ihren Lernmaterialien auf der Basis gültiger Lehrpläne einen voll systematisierten Materialpool. Die Lernleitern können als Strukturierungsinstrumente für individuelles Lernen in fachspezifischen freien Arbeitsprozessen angesehen werden. Sie ermöglichen eine langfristige Lernprozesssteuerung. Die betreuenden Lehrkräfte werden so von ihrer prozesssteuernden Aufgabe im herkömmlichen frontalen Unterricht weitestgehend befreit.

 

Kooperationsvorhaben

Die Sonderpädagogischen Förderzentren Spardorf, Erlangen und Höchstadt sowie die Schule zur Erziehungshilfe, Buckenhof entwickeln in wissenschaftlicher Begleitung durch Dr. Thomas Müller vom Lehrstuhl für Pädagogik bei Verhaltensstörungen an der Universität Würzburg und Frau Kathrin Stiehr von der Schule zur Erziehungshilfe am Buckenhof zunächst für das Fach Mathematik miteinander eine einheitliche Grundanlage von Lernleitern mit einem ebenso einheitlichen Symbolsystem. Dies soll dazu beitragen, dass die einzelnen Aktivitäten, Materialien und Bausteine unter den Schulen flexibel ausgetauscht werden können und/oder arbeitsteilig erarbeitet werden können. Bei der unterrichtlichen Anwendung bleibt dabei die individuelle Ausgestaltung bei der jeweiligen Förderschule. Die Entwicklung erfolgt zunächst in Mathematik und bezieht dabei die Diagnose- und Förderklassen ebenso ein wie Mittel- und Oberstufe. Auf Seiten der Förderzentren entsteht dazu eine von der Regierung von Mittelfranken durch Herrn Dr. Werner Laschkowski, RSchD verantwortete Arbeitsgemeinschaft, die von Frau Karin Tharandt (SFZ Spardorf) geleitet und koordiniert wird.